Ein imaginäres Theaterlabyrinth: Ein Mann streckt die Hand aus, während Spiegel verschiedene Gestalten seiner selbst zeigen
Ein Projekt von Theodor (Doc) YemenisRecherche · Spiel · Verwandlung

THEATRON

DER STEPPENWOLF / EIN MAGISCHES THEATER

Wer bin ich —
und wie viele?

Ein Theater- und Filmprojekt über die Vielheit des Ichs. Über Rollen, die ein Leben ermöglichen. Und über den Augenblick, in dem ein anderer Mensch unseren Entwurf verändert.

Das Theater betreten ↘
Hermann Hesses »Der Steppenwolf« als ResonanzraumWerk in Entwicklung / Bildwelt: szenischer Entwurf
01 / Die Schwelle

Ins Spiel
kommen.

„Ich strecke die Hand nach einem aus, der ich sein könnte. Noch weiß ich nicht, ob er mich führt oder verwandelt.“

Aus den THEATRON-Arbeitsmaterialien
»ICH — Probe im Labyrinth«

Was geschieht mit einem Selbstbild, wenn es eine Antwort bekommt?

THEATRON untersucht Identität als etwas, das zwischen Menschen geschieht. Erinnerungen, gesellschaftliche Rollen, Wissen und Begehren bilden ein bewegliches Gefüge. Manche seiner Gestalten eröffnen Handlungsmöglichkeiten. Andere werden so vertraut, dass sie jede neue Erfahrung auf dieselbe Geschichte verpflichten.

Hesses »Steppenwolf« eröffnet dafür einen literarischen Spielraum: Das Bild von Mensch und Wolf wird zum Ausgangspunkt einer Frage nach weiteren, noch ungelebten Möglichkeiten. THEATRON verfolgt diese Frage mit Körper, Stimme, Bild und gemeinsamem Handeln.

Der Blick hinter der Kamera tritt selbst in die Situation ein. Das Gegenüber hat einen eigenen Rhythmus, eine eigene Absicht und die Freiheit, anders zu antworten als erwartet. An dieser Schwelle beginnt die Arbeit.

↗ Vom betrachtenden Blick zur gemeinsamen Handlung.

03 / Atlas der Identitäten

Vier Gestalten.
Ein unfertiges Ich.

Maske, Tanz, Spiegel und Verwandlung sind szenische Annäherungen. Jede eröffnet einen anderen Konflikt. Ihre Bedeutung entscheidet sich erst im Spiel.

Der Gelehrte · Die Maske / Konzept-Storyboard
Gestalt I

Der Gelehrte

Wer spricht hinter meiner Bildung?

Wissen kann eine Welt öffnen. Es kann auch eine Rolle befestigen, hinter der jede Unsicherheit verborgen bleibt. Der Gelehrte sucht im Erbe eine Sprache für seine Erfahrung. Was geschieht, wenn die verehrte Autorität seine Erwartungen nicht bestätigt?

Szenischer VersuchEine Maske wird gehoben. Der Schatten wächst. Die ersehnte Bestätigung bleibt aus. Der nächste Satz muss ohne ihr Gewicht auskommen.
Der Begehrende · Der Tanz / Konzept-Storyboard
Gestalt II

Der Begehrende

Mein Gegenüber folgt einem eigenen Rhythmus.

Im Begehren kann eine ungewohnte Seite des eigenen Lebens hervortreten. Doch der andere Mensch besitzt Wünsche, die über diese Verwandlung hinausreichen. Nähe verlangt eine Antwort auf seine Eigenständigkeit.

Szenischer VersuchEine ausgestreckte Hand sucht einen gemeinsamen Takt. Der andere Körper dreht sich fort. Die Bewegung muss neu entstehen.
Der Zerrissene · Die Spiegel / Konzept-Storyboard
Gestalt III

Der Zerrissene

Jede meiner Gestalten verlangt ein anderes Leben.

Die eigenen Möglichkeiten sprechen mit verschiedenen Stimmen. Eine klagt an, eine schützt, eine drängt zum Aufbruch. Ihre Vielheit wird konkret, sobald eine Entscheidung Folgen für einen anderen Menschen hat.

Szenischer VersuchMehrere Spielende beanspruchen denselben Satz. Sie müssen eine gemeinsame Handlung ausführen, während ihr Streit noch andauert.
Der Spielende · Die Verwandlung / Konzept-Storyboard
Gestalt IV

Der Spielende

Kann ich meine Rolle verändern, während andere zusehen?

Humor lockert den Anspruch, mit dem eigenen Selbstbild vollständig übereinzustimmen. Ein verpasster Einsatz, ein gelöstes Lachen: Für einen Augenblick darf eine andere Bewegung möglich werden.

Szenischer VersuchDie Spiegel zeigen ihre Rückseiten. Die Maske liegt am Boden. Eine Figur verliert ihre vorbereitete Würde und findet einen neuen Einsatz.
Imaginierter Spiegelsaal: Eine Gestalt begegnet ihren Möglichkeiten zwischen Bühne, Spiegelbildern und einem offenen Horizont
Das Ich im Werden / KI-gestützter Bildentwurf, keine Aufführungsaufnahme.Bild vollständig öffnen ↗
04 / Die Räume des Magischen Theaters

Hinter jeder Tür
eine andere Frage.

Das Magische Theater wird hier als Raum möglicher Handlungen gelesen. Öffne eine Tür. Verweile bei einer Frage. Die nächste Tür kann ihrer Antwort widersprechen.

Die MaskeRolle / Möglichkeit / Gewohnheit

Eine Rolle ermöglicht Teilnahme: sprechen, lehren, reisen, gestalten. Sie gibt einer Erfahrung eine erkennbare Form.

Die Maske wird eng, sobald jede Begegnung beweisen muss, dass diese Form die einzig mögliche ist. Im Spiel lässt sie sich aufsetzen, verändern und wieder ablegen.

Welche Rolle erweitert meinen Handlungsspielraum — und welche verlangt, dass ich derselbe bleibe?

Das GegenüberBlick / Nähe / Widerstand

Ein anderer Mensch lässt sich nie vollständig in den eigenen Entwurf einfügen. Seine Antwort kann eine Szene verändern, bevor sie ihre beabsichtigte Bedeutung erreicht.

Für THEATRON liegt darin eine schöpferische Bedingung: Die Begegnung besitzt die Kraft, den Plan zu korrigieren.

Was wird möglich, wenn der andere die Rolle verweigert, die meine Geschichte ihm zugedacht hat?

Die ErinnerungGeschehen / Erzählung / Form

Eine Erinnerung erhält aus der Gegenwart einen Zusammenhang. Was sich geschlossen erzählen lässt, muss deshalb noch keine vollständige Vergangenheit sein.

Die Arbeit unterscheidet zwischen belegbarem Geschehen, erzählter Bedeutung und künstlerischer Form. Eine erfundene Szene kann etwas erfahrbar machen; ihre Überzeugungskraft beglaubigt keine historischen Tatsachen.

Welches Detail darf meiner bevorzugten Geschichte widersprechen?

Das LachenWürde / Irrtum / Beweglichkeit

Goethes Traumgestalt im »Steppenwolf« eröffnet für diese Recherche eine Frage nach dem Humor: Was geschieht, wenn eine verehrte Größe die eigene Feierlichkeit ins Spiel zieht?

Ein gemeinsames Lachen kann Abstand zur starren Rolle schaffen. Es unterscheidet sich vom Spott, der einen verletzlichen Menschen zum Gegenstand macht.

Kann ich sichtbar bleiben, während mein Selbstbild für einen Augenblick die Fassung verliert?

Die VerantwortungVielheit / Entscheidung / Folge

Wer sich verwandelt, trägt die Folgen seiner Handlungen mit sich. Die Vielheit des Ichs entbindet keine seiner Gestalten von ihrem Verhältnis zur Welt.

Eine szenische Möglichkeit wird an ihrer Wirkung auf das Gegenüber geprüft. Die Form gewinnt Tiefe, wenn diese Wirkung eine Antwort erhält.

Welche Verpflichtung bleibt bestehen, wenn ich eine andere Gestalt annehme?

Der offene AusgangUngewissheit / Versuch / Fortsetzung

Die Probe muss die Bedeutung eines Lebens nicht abschließend erklären. Sie schafft eine Situation, in der eine vertraute Deutung vorläufig werden darf.

Weiterarbeiten kann heißen, einen Entwurf zu wagen, ohne seinen Ausgang zu besitzen. Ein nächster Versuch wird am veränderten Handeln erkennbar.

Was lässt sich beginnen, bevor eine endgültige Antwort vorliegt?

Diese Räume sind künstlerische Lesarten und Versuchsanordnungen. Die konkrete Bühnenform bleibt in Entwicklung.

05 / Eine kleine Versuchsanordnung

Ein Satz.
Vier Absichten.

Die Worte bleiben gleich. Ihre Handlung verändert sich. Wähle eine Absicht und beobachte, welche Beziehung der Satz herstellen könnte.

An der Schwelle / Eine Person geht

Du kannst
noch bleiben.

Ein Satz aus der szenischen Recherche

Festhalten

Die Hand bleibt an der Klinke. Der Satz versucht, den Aufbruch des anderen zu verzögern. Seine Antwort entscheidet, ob aus dem Angebot eine Bitte oder eine Forderung wird.

Spielimpuls: Bring den anderen dazu, noch einen Augenblick zu warten.

Von der Bühne zur Kamera

Eine Pause bekommt Gewicht, wenn jemand auf eine Antwort wartet. Ein Schritt verändert eine Distanz. Eine Nahaufnahme folgt einem Wendepunkt. THEATRON sucht die filmische Form in der Beziehung, aus der ein Bild entsteht.

06 / Eine offene künstlerische Arbeit

Der Blick bekommt
ein Gegenüber.

THEATRON verbindet Theater, Film und die Frage nach einer Identität im Werden. Die szenische Arbeit soll die Regie verändern: genauer zuhören, Absichten spielbar machen und den Beitrag anderer in der gemeinsamen Form bewahren.

Hesses Roman ist dabei ein Gegenüber, an dem sich eigene Fragen schärfen lassen. Die Recherche berührt Masken und Stimmen, Begehren und Erinnerung, die Macht von Erzählungen und die Möglichkeit des Humors.

Im Zusammenhang von SYNAPSIS öffnet sich damit eine weitere Arbeitsweise: Aus der Aufmerksamkeit für Spuren und Orte wird das gemeinsame Hervorbringen einer Situation. Der Entwurf bleibt veränderbar.

Wie viel deiner Geschichte
ist noch spielbar?

Noch einmal ins Spiel ↗